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RubrikTechn. Hilfeleistung zurück
ThemaKatze im Baum13 Beiträge
AutorJan 8S., Wallenhorst / NDS395711
Datum06.04.2007 00:00      MSG-Nr: [ 395711 ]26356 x gelesen

Hallo!

Aus gegebenen Anlass einige Anmerkungen. Statt 600.000 Euro teurem Hubrettungsgerät und einem erzürnten Bürgermeister reicht auch ein Seil und eine Kiste:

Rettung mit einfachen Mitteln

Grobe Methode und unkluge Katze

Aus der brennenden Wohnung hatte sie es ja geschafft, aber die Retter.....

Rettung durch den Profi!


Ansonsten hier ein Artikel, den ich mal für die Zeitung verfasst habe:

Die Katze auf dem Baum

Wenn man eines der zahlreichen Bilderbücher zum Thema Feuerwehr aufschlägt, stolpert man immer über das gleiche Bild: Feuerwehrmann rettet Katze mittels Leiter aus einem Baum. Während katzenbegeisterte Eltern mit Entzücken auf die (meistens ein roter Tiger weißen Pfoten) Katze deuten (?Guck mal, eine KAT-ZE?), deuten feuerwehrbegeisterte Eltern (jaja, meistens die Väter) auf die Mercedes/Metz Drehleiter mit Rettungskorb und intonieren DREH ?LEI-TER. Wenn man Glück hat, bleibt davon ?Atse? bzw. ?Ta-tü-ta-ta? hängen. Zumindest bei einem Anderthalbjährigen.
Da ich mich nun von Haus aus (Sohn mit entsprechenden Bilderbüchern) über die Katze im Baum (unsere heißen Lisa und Anton) und die Feuerwehr (Berufsfeuerwehr Osnabrück und Freiwillige Feuerwehr Wallenhorst) freuen kann, will ich einen tieferen Einblick in Sachen ?Katzen und Feuerwehr? geben.

Die Berufsfeuerwehr Osnabrück fährt durchschnittlich ein bis zwei Einsätze zur Tierrettung am Tag. Das Spektrum solcher Einsätze beginnt mit dem Transport von im öffentlichen Verkehrsraum verletzten Tieren zum Tierarzt, dem Fangen und Verbringen von herrenlosen Katzen und Hunden zum Tierheim und endet mit aufwändigen Rettungsaktionen für Tiere wie dann auch dem Retten einer Katze von einem Baum. Grundsätzlich gilt dabei, dass Einsätze zur Abwendung einer Lebensgefahr bei den Tieren kostenfrei sind, alle anderen ? und das sind die meisten - müssen mit den Besitzern bzw. bei herrenlosen Tieren mit dem Ordnungsamt, in dessen Auftrag wir dann tätig werden, abgerechnet werden.

Dieses ?Abwenden einer Lebensgefahr? ist natürlich interpretierbar. Um auf unsere Katze auf dem Baum zurückzukommen, werden die meisten Anrufer darauf verwiesen, noch einen oder zwei Tage zu warten und mit Futter zu locken, da wirklich viele Katzen von alleine wieder herunterkommen ? sie trauen sich zuerst nur nicht. Und schon gar nicht, wenn unten 10 fremde Leute stehen und Lärm machen. Hat das keinen Erfolg oder sitzt die Katze schon erwiesenermaßen mehrere Tage auf dem Baum, rücken wir mit dem ?Leiterwagen? aus. Der Leiterwagen ist ein mit zwei erfahrenen Kollegen besetzter, 16 Tonnen schwerer und 600.000 ? teuer LKW, auf dem eine 30 Meter lange Leiter montiert ist. Eigentlich ist sie dafür gedacht, Menschen aus den oberen Stockwerken brennender Gebäude zu retten. Ist das Fahrzeug aber gerade in eine Tierrettung eingebunden, kann sie das nur mit Verzögerung und auch das ist ein Grund, warum wir versuchen, das Problem ?Katze auf Baum? erst einmal durch die Natur regeln zu lassen.

Wenn man mit diesen Fahrzeug nah genug an Baum und Katze herankommt, ist die Rettung eigentlich kein Problem mehr. Schwierig wird es dann, wenn der Baum aufgrund der Ausmaße und des Gewichts des Fahrzeuges nicht erreicht werden kann. Dann muss ein anderes Fahrzeug mit 5 Mann Besatzung und tragbaren Leitern ausrücken. Diese sind zwar mobiler, aber deren Länge ist auf 14 Meter begrenzt ? und das ist schon eine wackelige Angelegenheit. Ist es auch damit nicht möglich, an die Katze zu kommen, bleibt als letzte Möglichkeit die Höhenrettung. Die Höhenrettung ist ein auf die Rettung und Hilfeleistung in Höhen jenseits der Möglichkeiten der normalen Feuerwehrleitern ausgelegtes Spezialteam, welches mit Seilen und Techniken aus der Bergsteigerei arbeitet. Dann klettert ein Höhenretter mit Seilen gesichert im Baum hoch und versucht an die Katze ?im Nahkampf? heranzukommen. Wenn auch dieses nicht funktioniert, muss man die Angelegenheit Mutter Natur überlassen. Brachiale Methoden wie ?herunterspritzen? oder ?Baum absägen? führen wir genauso wenig durch wie wir Leben und Gesundheit von Kollegen für eine Katze aufs Spiel setzen, die vielleicht von alleine wieder herunterkommt. Ich bitte dafür um Verständnis.

Während meiner Dienstzeit hatte ich schon oft die Möglichkeit, Erfahrungen mit dem Retten von Katzen zu sammeln, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die Kollegen von meiner Vorliebe für Katzen wissen und mich auch in der Freizeit anrufen, wenn es wieder mal ein ?Katzenproblem? gibt. Und oft genug landen ausgesetzte Katzenbabies bei mir, um je nach Zustand an Tierarzt, Tierheim oder Verwandte weitervermittelt zu werden. Da gab es den kleinen Joschi, den roten Tiger, der sich auf der Fahrt zu Feuerwache bei meinem Kollegen auf dem Arm einkuschelte und einschlief. Bei mir zuhause mischte der freche Lump meine und die Nachbarskatzen auf, bis er zu einem Bekannten auf dem Land vermittelt werden konnte. Auch meine Schwester hat mittlerweile drei ?Feuerwehrkatzen?, die sie nicht mehr missen möchte. Lilli, die wildeste und kaltblütigste aller kleinen schwarzen Katzen, hat nach drei Wochen Asyl bei uns ein neues Herrchen in der Nachbarschaft gefunden und besucht mich ab und zu. Und aktuell wird der kleine Findus beim Katzenschutzbund aufgepäppelt, nachdem Müllwerker ihn im Papiermüll gefunden und auf der Feuerwache abgegeben haben.

Rettungsaktionen mit Katzen sind immer etwas Besonderes. Zum einen, weil sich Katzen in die schwierigsten Lagen bringen: Ob sie nun den Kopf durch das Loch einer Felge stecken und nicht wieder rauskommen (Felge durch Feuerwehr aufgeschnitten), sich im Motorraum eines Autos einkuscheln und dann unsanft geweckt werden (Motor durch Feuerwehr demontiert), zwischen Heizöltank und Kellerwand festklemmen (Heizöltank durch Feuerwehr eingedrückt und Katze befreit) oder in einem Abflussrohr mit 10 cm Durchmesser (Straße durch Feuerwehr aufgestemmt) feststecken ? es gibt fast keinen Platz wo eine Katze nicht hereinkommt. Zum anderen, weil sie als ?Patienten? unberechenbar sind: Wenn man sich - zwar mit Seilen gesichert- in 20m Höhe auf einen dünnen Ast vorarbeitet, gibt es generell zwei Möglichkeiten, wie man von der Katze empfangen wird: Die durch Todesangst aggressive Katze vermittelt: ?Kommst du nur noch einen Zentimeter näher, bringe ich dich um. Ich meine das ernst? Diese Art von Katze muss schnell und kräftig gepackt werden und noch oben auf dem Baum in einen Käfig gesteckt werden. Wer schon mal eine Katze in Todesangst erlebt hat, weiß, wie sie sich wehren können. Das mag beim Tierarzt noch beherrschbar sein, in 20m Höhe kann es leicht zum Absturz der Katze führen.
Die andere Art ist extrem eingeschüchtert aber zahm. Sie mault einen so an: ?Hol mich gefälligst sofort hier runter, ich habe einen Riesenschiss.? Diese Art klettert auch schon mal einen freiwillig auf den Rücken sobald man sich nähert und ist, auf dem Boden angekommen, sich keiner Schuld mehr bewusst.

Zwar sollen Katzen neun Leben haben, doch allzu oft überleben sie ihre Eskapaden nicht. Das ist zwar schlimm, aber nicht zu verhindern. Schlimmer ist es, wenn sie durch ihre Herrchen in Gefahr gebracht werden. Ich kann die Leute nicht verstehen, die Kinder und/oder Katzen haben und noch immer keinen Rauchmelder in ihrer Wohnung installiert haben. Katzen wie Menschen werden von giftigem Brandrauch erstickt bevor sie davon aufwachen. Die Geschichte von der Katze, die ihre Herrchen vor dem Feuer warnt, ist leider die Ausnahme, wie auch viele durch Rauchvergiftung getötete Katzen zeigen. Zwar hat die Feuerwehr Osnabrück auch schon einmal eine Katze nach einem Wohnungsbrand wiederbelebt, aber das war ein Einzelfall. Schlimm auch, wenn alleine in der Wohnung zurückgelassene Katzen durch Brände ums Leben kommen, die ihre Herrchen durch Fahrlässigkeit verursacht haben ? was auch nicht selten ist.

Zum Schluss kann ich nur feststellen dass zum Ausgleich einer technisierten und stressigen Arbeitswelt der Umgang mit Katzen, die genau das Gegenteil verkörpern, für mich sehr wertvoll geworden ist und ich jedem, der in sich in einer ähnlichen Situation befindet nur empfehlen kann, eine oder mehrere Katzen aus dem Tierschutz bei sich wohnen zu lassen.

Jan Südmersen
Feuerwehr Osnabrück


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Jan

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